ein ungekanntes Juwel

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Die Strandpromenade schlägt jene von Kerkyra, der Hauptstadt der griechischen Insel Korfu um Längen. Der Strand ist zwar etwas steinig, aber immerhin hat es einen. Die Restaurants und Cafes laden zum Träumen ein, der kleine Hafen wirkt wie aus der Zeit gefallen, von Hektik weit und breit keine Spur, das Leben plätschert vor sich hin.

Der Weg hierher ist allerdings alles andere als einfach. Der einzige landeseigene internationale Flughafen liegt viele Busstunden weit entfernt – und die Frequenz der Busse ist eher dürftig. Von Korfu her wäre es nur eine gute halbe Stunde mit der Fähre, doch in meinem Fall benötigte ich über 2 Tage und 1 Stunde.

Dass das 9 Uhr Schiff am Sonntag gecancelled wurde, konnte am Wind liegen, wie offiziell verkündet wurde. Da dieser aber längst abgeflaut war lag es wohl eher an der mangelnden Nachfrage. Bloss blöd, dass es das einzige Schiff am Sonntag war – und am Montag keine Schiffe fahren.

Und das Schiff vom Dienstag wollte und wollte nicht ablegen. Bis rund eine Stunde nach der offiziellen Abfahrtszeit verkündet wurde, dass etwas mit der Elektrik nicht stimme und wir das Schiff wechseln müssten. Und dieses fuhr zuerst zwar mit maximaler Schlagseite, danach aber umso zügiger in Richtung eines der geheimnisvollsten Länder Europas, nach Albanien.

Die Grenzformalitäten in der Hafenstadt Sarandë waren schnell erledigt, zumal ich (fast) der Einzige war, der sich alleine auf die Socken machte, der Rest des nun vollgepackten Schiffs hatte einen Tagesausflug gebucht und das geht offenbar ohne Passkontrolle in Albanien, ein gewaltiger Effiziengewinn. Während die anderen in Busse stiegen, musste ich erst einmal den Ausgang aus dem Zollgebäude finden, was gar nicht so einfach war.

Sarandë (auf deutsch Saranda geschrieben) ist nicht schön. Der elegante Küstenbogen ist zugepflastert mit Hochhäusern im Plattenbaustil, was von weitem den tristen Eindruck verstärkt, den auch die kargen albanischen Berge im Hintergrund vermitteln. Doch zwischen den Hochhäusern und dem Meer liegt die besagte Promenade, darüber ein sonniger Tag, der mir wie ein Sonntag erscheint, obwohl doch Dienstag ist.

Entfernt man sich ein wenig von der Meeresfront, merkt man schnell, dass auch Sarandë nciht reich ist – oder dass der Reichtum nicht bei allen ankommt. Die Bausubstaunz ist oft von minderer Qualität, der Verfall vielerorts fortgeschritten, auf den Gehsteigen verkaufen arme Leute Kleinstmengen an Gemüse und Gewürzen, steht eine nicht mehr ganz junge Dame auf einer Wage, die ein junger Mann „vermietet“. Ob sie glücklich oder unzufrieden ist mit den angezeigten 80 Kilogramm kann ich aus ihrem Verhalten nicht erschliessen, doch die Anzahl Unterröcke dürfte das Ergebnis leicht beeinflussen.

Und überall sitzen sie in den Cafes und vertreiben sich den Tag. Die Arbeitslosigkeit ist wohl auch aus saisonalen Gründen recht hoch, für einen (!?) Cafe scheint es aber noch zu reichen. Denn obwohl Wetter und Temperaturen traumhaft sind, ist die Saison offensichtlich vorüber. Viele Hotels stehen leer, ich bin wohl der einzige Gast in meinem. Nur die Cafes und Restaurants mit den attraktivsten Plätzen sind von zahlungskräftigen, meist einheimischen Gästen gut besucht.

Für Ausländer ist Sarandë wohl noch ein Geheimtipp. Doch eben: es war nicht leicht, hierherzufinden und es ist nicht leicht wieder von hier wegzukommen. So gibt es täglich drei Busse nach Vlorë der nächstgelegenen grösseren Stadt. Der erste verlässt den Ort um 5:30, der zweite um 11:30 und der letzte um 14:30. Was für albanische Verhältnisse eher ungewohnt ist: wie ich gelesen habe, fahren ansonsten fast nie Busse nach Mittag…

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